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Mercedes Jellinek
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebt in Nizza an der Cote d'Azur der erfolgreiche österreichische Geschäftsmann und K.u.k.-Generalkonsul Emil Jellinek (1853-1918).Jellinek ist sehr reich, Sportsmann, und er leidet nicht an falscher Selbstbescheidenheit. Der Herr Generalkonsul ist außerdem Automobilist. Bereits 1897 hat er einen Daimler-Wagen erworben und fährt damit auch Rennen. Er ist das, was man damals einen Herrenfahrer nennt - jemand, der das Steuer nicht seinem Chauffeur überläßt, sondern selber zum Vergnügen fährt. Als cleverer Geschäftsmann fährt er aber nicht nur die Autos aus Cannstatt, sondern er verkauft sie auch in den Kreisen der Hautevolee von Nizza.
In Cannstatt arbeitet zur gleichen Zeit Wilhelm Maybach (1846-1929) als Chefkonstrukteur - der Mann, der wesentlichen Anteil an der Entwicklung der ersten Daimler-Autos hat. Im April 1900 beauftragt Jellinek Maybach, für ihn ein neues, schnelles, leichtes und sicheres Automobil zu entwickeln, und er gibt auch gleich Hinweise für technische Details. Maybach macht sich an die Arbeit, und bereits im November 1900 ist der Daimler 35 PS fertig.
Maybach ist gern bereit, auf die Konstruktionswünsche Jellineks einzugehen, denn der hat nicht nur ein Auto bestellt, sondern gleich 36 Stück zum Gesamtpreis von 550.000 Goldmark (ca. 2,5 Millionen Euro). Das ist ein Drittel der Gesamtjahresproduktion! Dafür bedingt er sich aus, Daimler-Autos exklusiv in Österreich-Ungarn, in Frankreich, Belgien und in den USA verkaufen zu können. Auch dem stimmt man in Cannstatt gerne zu.Das neue Auto ist eine technische Sensation. Während das Gros der automobilen Welt lange noch nicht dem Zeitalter der motorisierten Kutschen entwachsen ist, trägt dieser Wagen mit seinem langen Radstand, seiner breiten Spur sowie dem vergleichsweise niedrigen und schnittigen Aufbau erstmals Züge eines wirklich modernen Autos. Der neue 5,9-Liter-Vierzylindermotor leistet 35 PS und wird durch den von Maybach entwickelten "Bienenwabenkühler" vor Überhitzung geschützt.
Und der Wagen hat Erfolg - im März 1901 gewinnt Werksfahrer Wilhelm Werner damit das damals renommierte Rennen "Nizza-Aix-Salon-Nizza". Jetzt geht auch Jellineks Kalkül auf - die bestellten Autos werden ihm zum Stückpreis von (nach heutigem Geld) immerhin über 75.000 Euro aus den Händen gerissen, und er verkauft außerdem zahlreiche viersitzige Tourenwagen, die sofort auf Basis des Modells 35 gebaut werden.
Und wo bleibt das kleine Mädchen?

Das kleine Mädchen heißt Mercedes Jellinek, ist sehr süß und die Tochter des Generalkonsuls. Damals ist sie gerade 10 Jahre alt. "Mercedes" ist ein spanischer Mädchenname und bedeutet soviel wie "die Milde", "die Gnädige". Emil Jellinek liebt seine Tochter über alles, und vor allem ist er überzeugt, daß sie ihm Glück bringt. Er startet bei Rennen unter dem Pseudonym "Mercedes" und gewinnt. Deshalb verlangt er auch von Daimler, daß das neue Auto, das in seinem Auftrag konstruiert und gebaut wird, den Namen "Mercedes" erhält. Und weil diese Mercedes-Wagen so überaus erfolgreich sind und sich so gut verkaufen, beschließt man in Cannstatt, von nun alle Daimler-Autos "Mercedes" zu nennen! Das weitere Schicksal des kleinen Mädchens ist eigentlich weniger lustig. 1909 heiratet Mercedes in Nizza den Baron Karl Schlosser aus Wien. Die Hochzeit soll "glanzvoll" gewesen sein - bei dem Vater auch kein Wunder. Aus der Ehe gehen zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen hervor. Nach 14 Jahren Ehe trennt sich Mercedes von ihrem Mann und heiratet 1923 wieder, dieses Mal den Wiener Bildhauer Rudolf von Weigl. Glück ist der zweiten Ehe nicht beschieden, Weigl stirbt nach wenigen Monaten an Schwindsucht. Und auch Mercedes hat nicht mehr lange zu leben, 1929 stirbt sie, noch nicht vierzig Jahre alt, an Knochenkrebs. Übrigens hat sich Mercedes von Weigl, geschiedene Schlosser, geborene Jellinek, ihr ganzes Leben lang nicht für Autos interessiert ....









